Menschen in ihrer letzten Lebensphase und deren Angehörigen bedürfen ganz besonderer, individueller Fürsorge und Betreuung. Diese Hospiz- und Palliativarbeit übernehmen ganz unterschiedliche Akteure, von spezialisierten ambulanten palliativen Versorgungsstrukturen (SAPV) über stationäre Angebote bis hin zu Begleitungen im häuslichen Umfeld. Um die Aktivitäten dieser Akteure in der Versorgung von schwerstkranken Menschen noch besser miteinander zu verknüpfen und abzustimmen, ist zum Mai 2023 die neue Stelle einer Netzwerkkoordinatorin geschaffen worden, die gemeinsam von der Diakonie Ostholstein gGmbH, dem Ärztenetz Eutin Malente e.V. (ÄNEM) und dem Sankt Elisabeth Krankenhaus Eutin (SEK Eutin) getragen wird.
„Wenn ein Angehöriger schwer erkrankt, verändert sich für eine Familie von einem Moment auf den anderen alles. Neben medizinischen Fragen stehen plötzlich Ängste, Unsicherheiten und die bange Frage im Raum: Wie geht es weiter – für die ganze Familie?“, weiß Sabine Grein, Netzwerkkoordinatorin des Palliativ- und Hospiznetzwerks Ostholstein.
In dieser Situation stehen Angehörige oft zwischen Verzweiflung, Hoffnung und Überforderung. Gerade dann wird deutlich, wie wichtig es ist, nicht allein zu sein. Menschen in ihrer letzten Lebensphase brauchen mehr als medizinische Versorgung. Sie brauchen Zeit, Zuwendung und eine Begleitung, die sich an ihren individuellen Bedürfnissen orientiert. Genau hier setzt die Hospiz- und Palliativarbeit an – im Krankenhaus, in stationären Einrichtungen, im eigenen Zuhause oder im Hospiz. Dann ist es entscheidend, dass alle Akteure gut abgestimmt zusammenarbeiten, um schnell und gezielt helfen zu können. „Schwerstkranke und sterbende Menschen zu versorgen, sollte immer sensibel und bewusst erfolgen, das darf nicht zur Routine werden“, sagt Sabine Grein, die als Intensivpflegefachkraft, Lehrerin für Pflegeberufe und ausgebildet in Palliative Care sowie Hospiz- und Trauerbegleitung langjährige Erfahrung mitbringt.
„Die besondere Stärke der Netzwerkkoordination liegt in der Vernetzung der unterschiedlichen Akteure innerhalb der Versorgungsstrukturen. Wenn unterschiedliche Unterstützungsangebote gut aufeinander abgestimmt sind, kann Betroffenen und Angehörigen auch in komplexen Situationen schnell und gezielt geholfen werden“, so die Netzwerkkoordinatorin. Was dabei oft im Hintergrund geschieht: Fachkräfte aus Pflege, Medizin, Hospizarbeit, Beratung, Eingliederungshilfe und weiteren sozialen Diensten arbeiten eng zusammen. Der Austausch ist unkompliziert, niedrigschwellig und es entstehen verlässliche Strukturen – ein Vorteil, der direkt den Betroffenen und ihren Familien zugutekommt.
Damit dieses Zusammenspiel funktioniert, treffen sich die Beteiligten regelmäßig. Der persönliche Austausch stärkt das Vertrauen, schafft Verständnis füreinander und trägt dazu bei, die Versorgung in der Region kontinuierlich zu verbessern. Das Netzwerk wächst dabei stetig weiter und ist offen für neue Partner. Ein Beispiel für die gemeinsame Arbeit ist ein geplanter Fachtag im Oktober: Rund 80 Auszubildende aus Pflegeberufen sollen dort Einblicke in die Praxis der Hospiz- und Palliativversorgung erhalten. „Wir möchten über Fachvorträge und Workshops mit den jungen Menschen ins Gespräch kommen und zeigen, wie wichtig diese Arbeit ist“, sagt Grein. „Gerade in einer älter werdenden Gesellschaft wird sie immer bedeutender.“
Neben der fachlichen Vernetzung spielt auch die Aufklärung in der Gesellschaft eine große Rolle. Viele Menschen wissen nicht, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Deshalb organisiert das Netzwerk regelmäßig Informationsveranstaltungen, Vorträge und sogenannte „Letzte-Hilfe-Kurse“. Hier lernen Bürgerinnen und Bürger, wie sie selbst als Betroffene oder als Angehörige mit schwerer Krankheit, Sterben und Trauer umgehen können und wo sie Hilfe finden.
Das Palliativ- und Hospiznetzwerk Ostholstein zeigt, was möglich ist, wenn viele gemeinsam Verantwortung übernehmen: Ein Netz, das trägt, ein Miteinander, das Halt gibt und die Gewissheit, dass niemand diesen letzten Weg allein gehen muss.
Geplante Veranstaltungen der Netzwerkkoordination
In den kommenden Monaten bietet die Netzwerkkoordination unterschiedliche Veranstaltungen an, beispielswese:
- Vortragsreihe „Gut begleitet am Lebensende“ in Kooperation mit der VHS Oldenburg: vhs-old.de
- Letzte Hilfe Kurse: letztehilfe.info/kurse/
Ansprechpartner für weitere Auskünfte oder Fragen zu Unterstützungsmöglichkeiten ist Netzwerkkoordinatorin Sabine Grein: sabine.grein@palliativkoordination.de, Telefon: 04521 802-123.

